Geschlechtskrankheit Ulcus Molle: Erreger, Symptome und Therapie

Weicher Schanker gehört zu den selteneren sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten. Er verursacht Geschwüre an Genitalen und verläuft meist gutartig.

Ulcus Molle, auch weicher Schanker oder Chancroid genannt, ist eine durch Bakterien übertragene akute Infektionskrankheit, die zur Bildung von Geschwüren meist im genitalen und anogenitalen Bereich führt und in der Regel gutartig verläuft. Sie ist in Europa selten, zählt aber zusammen mit der Syphilis und der Gonorrhoe sowie dem ebenfalls seltenen Lymphogranuloma venereum zu den klassischen Geschlechtskrankheiten.

Epidemiologie: Erreger und Verbreitung

Weicher Schanker wird durch eine Infektion mit Bakterien der Art Haemophilus ducreyi verursacht. Es handelt sich dabei um zarte Stäbchenbakterien, welche sehr empfindlich gegenüber Kälte und Trockenheit sind und, wie alle Haemophilus-Arten, verschiedene Wachstumsfaktoren aus dem menschlichen Blut zum Wachstum benötigen.

Die Krankheit ist endemisch vor allem in den ärmeren Regionen Afrikas, Asiens und der Karibik, wo sie für 23-56% aller Genitalgeschwüre verantwortlich ist. Im Jahr 1997 ging die WHO von 6 Millionen Betroffenen pro Jahr aus. Hauptüberträger der Krankheit in den ärmeren Ländern sind vor allem Prostituierte, die sich für Drogen oder aus Geldnot auf ungeschützten Geschlechtsverkehr einlassen.

In Europa und Nordamerika kommt Ulcus molle heutzutage kaum noch vor. In den 1980er und 1990er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es noch vereinzelte, meist lokal beschränkte Epidemien hauptsächlich in den großen Städten der USA wie New York oder New Orleans. Jedoch sind die Neuinfektionszahlen seit Mitte der 1990er Jahre stark am Abnehmen.

Übertragung und Symptome des Weichen Schanker

Ulcus molle wird vor allem durch sexuellen Kontakt übertragen. Über Mikroläsionen, verursacht durch den Geschlechtsverkehr, können die Erreger in den Organismus eindringen. In den allermeisten Fällen kommt es dabei nur zu einer regionalen Infektion, die sich maximal bis auf die umliegenden Lymphknoten ausbreitet.

Besonders bei Frauen verläuft die Erkrankung oft asymptomatisch, also ohne Ausbildung von Beschwerden. Sie wird somit meist auch nicht bemerkt, wodurch die Betroffenen unbewusst zu potentiellen Überträgern werden. Die Symptome treten nach einer Inkubationszeit von 4-7 Tagen nach Ansteckung auf.

Es kommt hierbei nicht, wie bei vielen Infektionskrankheiten sonst üblich, zu einer Fieber- und Müdigkeitsphase, sondern direkt zur Ausbildung des Geschwürs. Meist treten mehrere kleine, oft sehr schmerzhafte Geschwüre im Genital- oder auch Rektalbereich auf. Wird dir Infektion nicht erkannt, breitet sie sich bei 40% entlang der Lymphbahnen aus und führt zur massiven Schwellung und Entzündung der Lymphknoten und zu Hautrötungen. Meist ist das Immunsystem dann jedoch von selbst in der Lage, den Erreger wieder zurückzudrängen.

Therapie und Prophylaxe bei Weichem Schanker

Als Standardtherapie gegen Ulcus molle werden Antibiotika der Gruppe der Cephalosporine der dritten Generation eingesetzt. Die Prognose ist gut, in der Regel genügt eine Einmaldosis, um die Krankheit zu therapieren. Auch der oder die letzten Sexualpartner sollten untersucht und behandelt werden, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Eine wirksame Impfung gegen das Bakterium besteht nicht. Der wirksamste Schutz ist das Verwenden von Kondomen beim Geschlechtsverkehr und eine generelle Achtsamkeit, besonders bei fremden Sexualpartnern.

Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – ersetzen können.

Verwendete Literatur:

Tahir T. Mohammed MD, Yetunde Mercy Olumide MD; Chancorid and human immunodeficiency virus infection – a review; International Journal of Dermatology; Januar 2008; Volume 47; Issue 1; Seiten 1-8

Herbert Hof, Rüdiger Dörries; Medizinische Mikrobiologie – Duale Reihe; 4. Auflage; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2009

Hilfreich?